Dienstag, 26. Februar 2019

Verbesserte Zuckerrohrpressen und dank Zusammenarbeit mehr Gewinn für alle beteiligten Familien

Bericht von Richard Aufdereggen:

Mit der groszügigen Spende, welche wir im November 2018 von der katholischen Pfarrei Jona erhielten, konnten wir 4 einfache Zuckerrohrpressen verbessern.

In der Nähe des Dorfes Florencia konnten wir vor 25 Jahren ein Landjugendheim errichten, dass vielen Jugendlichen vom Land geholfen hat, ihre Ausbildung zu beenden.

Landjugendheim in Florencia, gebaut vor 25 Jahren für jeweils 70 Kinder

Damit das Landjugendheim finanziell tragbar ist, richteten wir dort vor 3 Jahren eine grosse Zuckerrohrpresse ein und erhielten von der Regierung die notwendigen Zertifikate und Qualitätsnachweise, die es ermöglichen, auf dem Markt bessere Preise zu erhalten.

Rund um das Landjugendheim mussten rund 40% Bauernfamilien wegen dem kolumbianischen Konflikt flüchten. Nach der Friedensvertragsunterzeichnung vor 3 Jahren sind viele Familien wieder auf ihrem Landgut und widmen sich, wie früher, der Gewinnung von Rohrzucker. In diesem Gebiet leben 70% von diesem Produkt. Doch ihre Pressen erlitten während der jahrelangen Abwesenheit grossen Schaden.

Treffen mit den Bauern in einem Weiler mit den von uns gekauften neuen Behähltern

Die Mühle wird mit Wasserkraft betrieben, auch wichtig für den Umweltschutz . (mit Richard Aufdereggen)

Eine andere von uns unterstützte Presse (neues Dach) in voller Produktion

So entschieden wir uns, 4 solcher Zuckerrohrpressen zu verbessern: eine Gemeinschaftspresse, getragen von 12 Familien und 3 Familienpressen. Davon profitieren rund 20 Familien und 100 Personen, weil auch anliegende Bauern ihr Zuckerrohr dort verarbeiten lassen.

Es wurden vor allem die für die Hygiene wichtigen Behälter neu angeschafft (siehe Fotos) und zum Teil auch die Installationen verbessert (Dach, Ofen etc.)

Das Landjugendheim wird wir die Gesamtproduktion dieser 4 erneuerten Pressen übernehmen und sich um den Verkauf des Zuckers kümmern . Somit erhalten diese Familien bessere Preise für ihr Produkt. Im Landjugendheim können wir die grossen Rohrzuckerwürfel, wie sie von den Bauern erarbeitet werden, in Pulverform verarbeiten um so grössere Gewinne zu erzielen.

Alle 14 Tage wird im Landjugendheim, Rohrzucker in dieser Würfelform produziert


Donnerstag, 6. Dezember 2018

Vielen Dank für die Unterstützung!


Sie heissen Cristian Gomez, Dana Jaramillo oder Adrian Ocampo. Sie sind zwischen 18 und 27 Jahre alt und Teilnehmer des von Pro Apoyar mitfinanzierten Projektes für die berufliche Weiterbildung und das Engagement für die Friedensarbeit in der Region Caldas in Kolumbien. Richard Aufdereggen berichtet darüber in seinem Rückblick auf das vergangene Jahr.




Spendenkonto

Raiffeisenbank Goms
3998 Reckingen
IBAN: CH76 8053 9000 0049 517

Freitag, 2. November 2018

Jugendprojekt Caldas, Kolumbien - Jahresbericht 2018


Das von Pro-Apoyar in der Schweiz mitfinanzierte Projekt für die Weiterbildung und das Engagement der Jugendlichen zwischen 18 und 27 Jahren hatte wesentlich drei Aufgabenbereiche im Jahre 2018: 

1. Die theoretische und praktische Ausbildung der Jugendlichen 

In diesem Jahr wurden rund 210 Jugendliche in technischen Berufen ausgebildet (in einem Gebiet mit rund 250’000 Einwohnern): Landwirtschaft, Fischzucht, Umweltschutz, Tourismus etc. Alle Abgänger erhielten vom SENA oder einer der Universitäten ein Abschlussdiplom. Der jeweilige Unterricht wurde in den Mittelschulen der Gemeinden erteilt. Die Schüler von weit entlegenen Weilern konnten über das Wochenende in unseren Landjugendheimen bleiben. Jene Schüler, die nun an den Universitäten weiterstudieren möchten, können an denselben Schulen bleiben und erhalten nach weiteren 4 Semestern einen Universitätsabschluss in Agrarberufen .

Neben unserer Stiftung Apoyar nehmen weitere wichtige kolumbianische Institutionen teil, sowohl öffentliche als auch private:

  • SENA (servicio nacional de aprendizaje) - eine Art Gewerbeschule 
  •  Die 2 grossen Universitäten des Departementes: Universidad de Caldas und Manizales 
  • Die Departementsregierung 
  • Die Gemeindeverwaltungen (2) 
  •  Die ortsansässigen Mittelschulen und ISAGEN (eine staudammverwaltende Organisation), die jedes Jahr mit einem mittelgrossen finanziellen Betrag hilft.
Für Berufsabgänger mit technischem Diplom hat das Projektteam mit landwirtschaftlichen Organisationen vor Ort gesprochen (Kaffeeproduzentenverband, Milchproduzenten, Fischzuchtverbände, Umweltverbände, Gemeinden, Unternehmen etc.), um für die ausgebildeten Jugendlichen eine Anstellung zu finden.



Samstag, 10. März 2018

Portrait: Estefania

Bericht von Melanie Brantschen


Das ist Estefania Cortés Zapata, 15 Jahre alt und lebt in Berlin, Caldas, Kolumbien. Sie war während eineinhalb Jahren Teilnehmerin am Projekt Red der Fundacion Apoyar. In dieser Zeit hat sie viel Selbstvertrauen gewonnen und gelernt, wie man eine Gruppe leitet. Ausserdem weiss sie jetzt, dass sie ihr Schicksal selber in die Hand nehmen und Eigeninitiative zeigen muss.


Dank dem Projekt der Fundacion Apoyar hat Estefania nun eine klare Vision davon, was sie in ihrem Leben machen will. Ihr grosser Traum ist es, Medizin zu studieren. Sie will damit dem Menschen helfen. Für diesen Traum ist ihr auch kein Aufwand zu gross. Damit sie die besten Chancen auf einen Studienplatz hat, besucht Estefania jedes Wochenende einen Vorbereitungskurs in La Dorada.



In diesem kleinen Haus lebt die siebenköpfige Familie. Es ist aber nicht nur das Zuhause der Familie, sondern dient auch als Kindergarten, den Estefanias Mutter leitet und als Metall-werkstatt des Kleinbetriebs des Vaters.


Neben der Schule, Estefania ist gerade im Abschlussjahr der obligatorischen Schulzeit, hilft sie oft im Kindergarten ihrer Mutter aus, der sich im Wohnhaus der Familie befindet. Beim Umgang mit den Kindern und ihren drei jüngeren Geschwistern kommt ihre soziale Seite voll zum Ausdruck.



Estefania und ihr Vater sind zurecht stolz: Im Rahmen des Projektes Red beweist Estefania ihr unternehmerisches Geschick, das durch die Anschaffung dieser Maschine für das kleine Metallverarbeitungsunternehmen ihres Vaters von der Fundacion Apoyar akreditiert wird. Damit kann der kleine Betrieb für die ökonomische Sicherheit der Familie sorgen.


Montag, 1. Januar 2018

Aus dem Leben von Richard Aufdereggen - Vom Hirtenbub in Obergesteln, Wallis nach Südamerika

Richard Aufdereggen, Gründer der Fundación Apoyar, erzählt in seinem neuen Blog auf richard.aufdereggen.ch in mehreren Kapiteln aus seinem Leben in Südamerika.

Er beschreibt, aufgrund welcher Prinzipien er den Menschen während rund 45 Jahren vor allem in Kolumbien geholfen hat, ihre Rechte einzufordern, um ein selbstbestimmtes und würdiges Leben ohne Armut, Hass und Unterdrückung zu führen.

Richard Aufdereggen ergänzt laufend weitere Kapitel seiner Biographie. Der Blog kann abonniert werden, damit man kein Kapitel verpasst.

Zum Blog von Richard Aufdereggen.

Montag, 2. Oktober 2017

Jugendprojekt, Caldas, Kolumbien

von Richard Aufdereggen

Vom 1. bis 5. September besuchte ich das Jugendprojekt im Osten des Dept. Caldas, finanziell mit unterstützt von Pro-Apoyar. Im folgenden Kurzbericht möchte ich auf die wichtigsten Punkte eingehen und informieren.

Richard Aufdereggen an eine Sitzung in el Congal
Der kolumbianische Konflikt hat die im Departement Caldas lebende Bevölkerung in den letzten 35 Jahren mit besonderer Grausamkeit getroffen. Rund 40% der 20’000 Menschen mussten fliehen. Auch die ganze Familie meiner Frau Ana Dilia verliess 1999 ihr Elternhaus in Florencia (die Mutter María Antonia war damals 85 Jahre alt und im Rollstuhl). Die Guerrilleros und Paramilitärs bekämpften sich dort bis aufs Blut; die Zivilbevölkerung musste stark darunter leiden. Da ich durch meinen Familienbezug und unsere Sozialprojekte (Landjugendheime) immer in engem Kontakt war, könnte ich darüber Bücher schreiben!!

Doch nun haben wir Frieden, Gott sei Dank und Dank unserem Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos.

Sehr viele Bauernfamilien sind in den letzten 3 Jahren wieder auf ihre Güter zurückgekommen. Wir organisierten eine Reihe von Projekten, um diese Rückkehr zu erleichtern. Doch hier möchte ich nur von den Jugendlichen schreiben. Ihre Situation war und ist auch nicht einfach: durch das jahrelange "Vertrieben sein" verloren sie ihren Halt und sahen meistens keine Zukunft. Doch nun sind sie wieder auf dem väterlichen Bauernhof.

 In diesem von Pro-Apoyar finanziell unterstützten Projekt geht es vor allem um 3 Ziele:

  • Ausbildung dieser jungen Menschen, 
  • Friedenserziehung 
  • und politisches Engagement für die Jugendlichen der 3 involvierten Gemeinden. 
Unsere Projektmitarbeiter erreichen momentan 224 Jugendliche, von diesen sind 191 in einer Ausbildung. Fast alle haben sich für die Landwirtschaft entschieden: Produktion landwirtschaftlicher Güter, Tierzucht, landwirtschaftliche Maschinen. Rund 20 entschlossen sich für den Tourismus, da vor allem ein Dorf für Touristen sehr attraktiv ist: San Diego mit seinem sehenswerten Kratersee. Dank den guten Beziehungen von Apoyar konnten wir für diese Ausbildung 2 grosse Institutionen gewinnen: der SENA, servicio nacional de aprendizaje, (eine Art staatliche Gewerbeschule) und die Universidad de Caldas. Die Lehrgänge können kostenlos absolviert werden. Nach Abschluss der Ausbildung erhält jeder Abgänger ein Diplom, das im ganzen Land anerkannt ist. Wer aber nach diesem Diplom noch an der Universidad von Caldas weiterstudieren will, dem werden diese 4 Semester angerechnet (vor allem für Agronomen).


 Was die Friedenserziehung angeht, handelt es sich um ein weiteres, sehr wichtiges, Thema. In einer Gegend, wo viele Menschen umgebracht und andere fliehen mussten, ist immer noch Hass und Rache vorhanden. Daher versuchen wir in zahlreichen Gesprächsrunden und Treffen die Jugendlichen zu überzeugen, Vergangenes hinter sich zu lassen. Die neue Sichtweisen werden weiter in die Familien getragen und die "Wunden" können langsam "heilen". Seit 3 Jahren haben wir dafür eigens einen erfahrenen Psychologen: Luis Fernando Alvarez.


Reunión jóvenes de Victoria

Wichtig ist diese Anstrengung auch deswegen, weil in den kommenden Monaten einige Exguerrilleros aus diesem Gebiet zurück zu ihren Familien kommen werden. Diese wurden in den letzten 35 Jahren in die Guerrilla-Reihen gelockt und haben inzwischen die Waffen abgegeben. Einige dieser Treffen werden sicher viel Mut und Geduld brauchen. Wir ebnen diesen Weg so gut es geht.
Reunión y equipo de jóvenes campesinos Florencia

Schlussendlich geht es auch um ein politisches Engagement: nach hiesigem Gesetz sind die Gemeinden verpflichtet, die Jugendlichen zu unterstützen, dies immer nach einer vorher erarbeiteten Jugendpolitik der betreffenden Gemeinde. Wie so oft, in diesen abgelegenen Gemeinden, werden solche Aufgaben nicht an die Hand genommen, vor allem weil sie die Teilnahme der jungen Menschen erfordern. Gerade hier sind wir aktiv geworden. Nach anfänglicher Absprache mit den Gemeindeverwaltungen bilden wir Gruppen von Jugendlichen und beginnen mit diesen ihre Probleme aufzunehmen und Lösungen zu suchen. Anschliessend werden Vorschläge den Behörden vorgelegt: in 2 Gemeinden wurde diese bereits in die Jahresplanungen aufgenommen. In einer dritten Gemeinde, Victoria, sind wir auf dem besten Weg dies zu erreichen. Dies beinhaltet, dass ab jetzt die jeweiligen Jahresbudgets in ihren Gemeinden einen wichtigen Teil zur Förderung der Jugend aufweisen müssen und dass dieselben Jugendgruppen mit entscheiden können, wie und wo dieses Geld eingesetzt werden soll.

Doch der wichtigste Teil dieses Prozesses ist vielleicht nicht das Geld sondern das politische Bewusstsein der Jugendlichen. Diese haben erfahren und wissen nun, dass das politische Aktivsein ihre Zukunft verändern kann. Und dies ist gerade hier so wichtig, wo dieses Bewusstsein unterdrückt wurde und während Jahrzehnten jede kritische und politische Haltung nicht Ernst genommen wurde.

Noch ein Wort zur Finanzierung: von allen Projektkosten übernimmt Kolumbien (SENA, Universidad de Caldas, Gemeindebehörden und private Unternehmen) 60% der Kosten, 40% Pro-Apoyar.

Schussfolgerungen meines Besuches: Es handelt sich um eine wichtige Projektarbeit mit grossen Zukunftszielen. Die vielen und motivierten Jugendlichen werden ihr eigenes Leben mit viel mehr Dynamik in die Hand nehmen und es besser mitgestalten können. In vielen Gesprächen mit diesen jungen Menschen wurde ich darin nur bestätigt.

Montag, 30. Januar 2017

Neuer Direktor der Stiftung Apoyar in Kolumbien

Anlässlich der letzten Sitzung des Vorstandes der Stiftung Apoyar wurde Herr Edilberto García zum neuen Direktor gewählt. Er wird sein neues Amt am 1. April dieses Jahres beginnen. Die Neuwahl war notwendig, weil Frau Nelly Giraldo ab diesem Jahr ihre Alterspension erhält.

In der Folge möchte ich Edilberto kurz vorstellen. Er ist aus Florencia, Caldas, und heute 37 Jahre alt. Ich habe Edilberto vor rund 25 Jahren im damals neu eröffneten Landjugendheim (LJH) von Florencia kennengelernt. Bei einem Gedankenaustausch mit den rund 50 Schülern fiel mir Edilberto besonders auf: aufgeweckt, intelligent und gesprächsfreudig. Er schloss seine Mittelsschule in Florencia ab und wollte weiterhin im Heim mithelfen. Wir ernannten ihn dann zum Leiter des LJH von Samaná, eine Aufgabe, die er sehr zufriedenstellend ausführte. Anschliessend wurde er von unserem Vorstand nach La Dorada gerufen, um hier neue Projekte zu leiten. Er setzte sich vor allem für Kinder und Jugendliche ein.

Edilberto mit Kindern des Weilers Congal, wo die Gewalt besonders schlimm war.
Hier helfen wir zur Rückkehr der Familien auf ihre Güter. 

Die Zeit des Konfliktes ging auch an Edilberto nicht ohne Spur vorüber. Sein Vater wurde von den Paramilitärs (Gegner der Guerilla) vor rund 12 Jahren erschossen. So musste er sich noch um seine Mutter und Geschwister kümmern. Zur selben Zeit studierte er eifrig weiter und erhielt den Universitätstitel als Buchhalter. Vor 2 Jahren begann er an der Universidad de Caldas den Master in Sozialarbeit. Seine vorgelegte schriftliche Arbeit gibt einen erschütternden Einblick in die Verhältnisse einer grossen Gruppe von Fischern, die durch die Errichtung eines Stausees im Dept. Caldas ihre Existenz verloren. Seit 4 Jahren koordinierte Edilberto alle Programme, die wir momentan im Dept. Caldas durchführen. Seine lange Erfahrung in Sozialarbeit und akademische Ausbildung waren Grund genug, damit ihm der Vorstand von Apoyar die Leitung der Stiftung übergibt.


Edilberto Garcia


Eine wichtige Aufgabe steht nun bevor: nach den Friedensverträgen zwischen Regierung und Guerilla wollen wir unsere Aufgabe in dieser Nachkonfliktzeit eingehend planen.

Bericht von Richard Aufdereggen